6. Oktober 2021

Die Digitalisierung führt im Wettbewerb um den Kunden zu immer kürzer werdenden time-to-market-Anforderungen. Das ist besonders für Banken aufgrund ihrer Strukturen oft eine große Herausforderung. Etablierte Arbeitsweisen, bestehende IT-Systeme und auch gesetzliche Rahmenbedingungen erschweren die Erhöhung der Umsetzungsgeschwindigkeit.

von Tobias Ehret

Wie können Banken nun dem Marktdruck gerecht werden und die Geschwindigkeit in der Umsetzung erhöhen? Ein Blick in die jüngere Vergangenheit zeigt, dass dies Banken in den frühen 2000er Jahren schon einmal gelungen ist. Damals lautete die Fragestellung, wie Anpassungen am Internet-Auftritt schneller erfolgen können. In der Folge wurden IT-Aufgaben in die Fachbereiche übertragen und (Web) Content Management Systeme (CMS) wurden in den Fachbereichen eingesetzt. Die Aktualisierung der Webseite war nicht mehr nur durch die IT-Abteilung möglich, Anpassungen wurden direkt durch den Fachbereich umgesetzt und publiziert. Ein klar reglementiertes Rechte-Rollenkonzept, Revisionssicherheit und einfache Bedienung ohne Programmierkenntnisse standen bei CMS-Lösungen im Vordergrund und bildeten die Grundlage für eine erfolgreiche Verlagerung der HTML-Umsetzung aus den IT-Abteilungen in die Fachbereiche. Die CMS-Lösungen erhöhten die Umsetzungs­geschwindigkeit, ohne die technische Stabilität oder Ausfallsicherheit negativ zu beeinflussen.

Aktuell bestimmen noch IT-Priorisierung und IT-Ressourcen­verfügbarkeit die Umsetzungsgeschwindigkeit der Antragsstrecken und -prozesse bei Banken. Der Markt verlangt aber höhere Umsetzungs­geschwindigkeiten und immer mehr neue Marktteilnehmer machen den etablierten Banken ihre Position streitig, gerade im Retailbanking, zunehmend aber auch im Business Banking.

Um diesem Umsetzungsdruck bei Antragsstrecken und –prozessen zu begegnen, sind grundsätzlich zwei Wege möglich:

  1. Die Erhöhung der IT-Umsetzungsgeschwindigkeit durch neue, agilere Modelle (DevOps) und Internalisierung von IT-Mitarbeitern oder
  2. eine erneute Verlagerung von IT-Aufgaben in die Fachabteilungen, begleitet durch Produktlösungen.

DevOps oder Produktlösung

Das oben erwähnte DevOps-Modell beschreibt einen Ansatz, wie die Zusammenarbeit zwischen Softwareentwicklung und IT-Betrieb effizienter gestaltet werden kann. DevOps setzt sich aus Development (IT-Entwicklung oder -Programmierung) und IT Operations (IT-Betrieb) zusammen.

Mit DevOps soll dabei die Qualität der Software, die Geschwindigkeit der Entwicklung und die Auslieferung sowie das Miteinander der beteiligten Teams verbessert werden, indem sie eng verzahnt arbeiten.

Abbildung1: DevOps-Modell

DevOps in Verbindung mit aufgestockten und internalisierten Entwicklern ist allerdings aus folgenden Gründen nicht immer für alle Banken zeitnah umsetzbar:

  1. Banken müssen attraktiv für IT-Talente werden, um Entwickler am Markt zu finden und für sich zu gewinnen.
  2. Es sind Anpassungen in der bestehenden Risikopolitik und in den Arbeitsweisen erforderlich.
  3. Technische Voraussetzungen müssen oft erst noch geschaffen werden.

Selbst namhafte Direktbanken kündigen heute noch eine neue App mit vielen Monaten Vorlauf an, es scheint daher noch ein weiter Weg zu sein.

Andererseits sind bereits Produktlösungen für Workflow- und Antrags-/Servicestreckenmodellierung am Markt verfügbar, im weiteren Verlauf des Artikels auch Antragsstrecken-CMS geannt, u.a. von den Anbietern Collenda, Subito, ECON oder auch Syngenio. Der Einsatz eines entsprechenden Antragsstrecken-CMS kann gemäß der Unternehmensvorgaben entlang klarer Rahmenbedingungen definiert werden. Die Lösungen sind in der Anwendung und Steuerung vergleichbar zu einem Webseiten-CMS. Die Bedienung ist darauf ausgelegt, Antragsprozesse ohne größere Programmierkenntnisse zu erstellen. Ein Rechte-Rollenkonzept reglementiert die Eingriffs­möglichkeiten der Fachbereiche, ohne die Ausfallsicherheit zu gefährden. Zudem lassen sich Änderungsbereiche gemäß der Unternehmensvorgaben eingrenzen. Da bei vielen Banken die Geschäftsvorfälle in der jüngeren Vergangenheit über Standardschnittstellen anderen (internen) Systemen leicht zugänglich geworden sind, stellt die technische Integration einer solchen Produktlösung mittlerweile keine große Hürde mehr dar. Das fachliche Wissen zur Modellierung von Antragsstrecken ist bei Banken ohnehin ausreichend vorhanden, schließlich entstehen dort aktuell bereits die Fachkonzepte für die Strecken.

Am Ende ist die Entscheidung für ein DevOps-Modell und Aufstockung der IT-Abteilung oder Einführung eines Antragsstrecken CMS für jede Bank individuell zu bewerten und zu entscheiden. Wir haben bereits einige Banken in der Entscheidungsfindung und der Einführung entsprechender Modelle unterstützt.

Wir begleiten Banken von der Bestandsaufnahme über die Modellentscheidung bis hin zur Implementierung des passenden Modells. Dabei unterstützen wir beim Wechsel auf ein DevOps-Modell mit sämtlichen erforderlichen Schritten oder auch bei der Auswahl und Einführung einer Produktlösung und Realisierung der Kundenanwendungen mit dem neuen Antragsstrecken-CMS.

Autoreninfo

Tobias Ehret

Geschäftsführer der digit.cologne GmbH. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Digitalisierung von Kundenprozessen, digitaler (datengetriebener) Vertrieb sowie digitale Transformation (IT Zusammenarbeitsmodelle).

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